Line
Wie Einwegkameras im Fotolabor entwickelt werden

Wie Einwegkameras im Fotolabor entwickelt werden

6. Januar 2025

von Selma Sahin

von Carolina Resta

Hast du dich auch schon gefragt, was passiert, wenn du deine Einwegkamera einschickst? Einige Tage später hältst du deine entwickelten Bilder in den Händen, aber wie der gesamte Prozess funktioniert, war uns zumindest ein Rätsel. Deshalb haben wir einen Nachmittag in einem Fotolabor verbracht und genau beobachtet, was dort geschieht.

Das Shooting

Bevor wir Bilder entwickeln konnten, mussten wir sie zunächst aufnehmen. Dafür kauften wir Einwegkameras bei Müller in Chur. Anschliessend erstellten wir ein kleines Moodboard und fragten eine Mitstudentin, ob sie für uns modeln würde. Nachdem wir uns auf einen Shooting-Ort und ein Datum geeinigt hatten, ging es auch schon los. Am Lago di Palpuogna im wunderschönen Engadin verbrachten wir einen ganzen Vormittag damit, unsere Fotos zu machen.

Loading gallery...

Von der Kamera zur Entwicklung

Ursprünglich hatten wir geplant, die Bilder selbst zu entwickeln. Da jedoch keiner von uns Erfahrung damit hatte, wandten wir uns an mehrere Studios. Wir suchten nach einer Dunkelkammer und einer Person, die uns coachen könnte. Doch das stellte sich als grosse Herausforderung heraus: Entweder hatten die Studios nicht genügend Kapazitäten, oder sie konnten nur Schwarz-Weiss-Bilder entwickeln.

Nach einer fast zweimonatigen Suche wurden wir schliesslich fündig. Das FilmLab Zürich bot uns an, unsere Bilder zu entwickeln und uns dabei über die Schulter schauen zu lassen. Genau das haben wir schliesslich gemacht.

Erstellung des Negativs

Wir haben unsere Kameras so abgegeben, wie wir sie gekauft haben – natürlich mit bereits belichteten Bildern darauf. Zuerst muss der Film aus der Kamera entnommen werden. Dazu wird an der Unterseite der Kamera eine Klappe geöffnet, und der Film wird entnommen. Zum Glück ist die Filmkassette in diesem Zustand lichtdicht, so dass keine Aufnahme beschädigt werden kann.

Nun muss der Film aus der Kassette entnommen werden. Hier kommt die erste Maschine ins Spiel. Der Film wird in die Maschine gelegt und ein kleiner Klebestreifen wird am Filmende angebracht. Nun kann man vorsichtig den Film aus der Kassette ziehen, jedoch nur die ersten paar Zentimeter, da sich dort in der Regel noch keine belichteten Bilder befinden. Man muss jedoch äusserst vorsichtig sein, denn der belichtete Teil des Films darf keinesfalls dem Licht ausgesetzt werden.

Der Film wird auf eine Trägerfolie mit Perforation in der Mitte befestigt, wobei jeweils zwei Filme gleichzeitig entwickelt werden können. Die Filme werden in die Entwicklungsmaschine gelegt, wo sie nacheinander durch mehrere Chemikalienbäder – typischerweise Entwickler, Stoppbad und Fixierer – geführt werden. Dabei werden sie kontinuierlich über ein Transportsystem mit Zahnrädern bewegt. Zum Schluss durchlaufen die Filme einen Trockner, bevor sie vollständig entwickelt oben wieder austreten. Dieser gesamte Vorgang dauert etwa 15 Minuten. Nun haben wir ein Negativ der Fotos erstellt, der Film kann nun auch ans Licht.

Bilder digitalisieren

Die entwickelten Negative werden nun mit Filmscannern digitalisiert. Zuerst wird eine Vorschaudigitalisierung aller Bilder erstellt. Anschliessend können die Aufnahmen in der Software gedreht und grundlegende Anpassungen wie die Helligkeitskorrektur vorgenommen werden. Danach erfolgt der hochauflösende Scan jedes einzelnen Bildes. Die resultierenden Dateien werden im JPEG-Format gespeichert.

Die Negative werden anschliessend in Streifen geschnitten und in Schutzhüllen, sogenannten Sleeves, aufbewahrt. So können die Bilder bei Bedarf erneut gescannt werden. Es ist wichtig, die Negative vor direktem Sonnenlicht und übermässiger Lichteinwirkung zu schützen, um ihre Qualität zu erhalten.

Die digitalisierten Bilder können nun in Bildbearbeitungsprogrammen wie Adobe Photoshop weiterverarbeitet werden. Häufig werden die besten Aufnahmen anschliessend auf Fotopapier ausgedruckt.

Das Entwickeln

Es war sehr spannend, uns mit Raphi über den Entwicklungsprozess zu unterhalten. Da die Filmentwicklung einen hohen manuellen Aufwand erfordert, kann es vorkommen, dass ein Film beschädigt wird, beispielsweise durch unbeabsichtigte Belichtung. Sie hatten auch schon Stromausfälle, während Filme in der Entwicklungsmaschine waren, was die Filme natürlich unbrauchbar machte. Solche Vorfälle treten jedoch nur etwa zweimal pro Jahr auf.

In ihrem Fotolabor entwickeln sie pro Tag etwa 60 bis 100 Filme, je nach Saison. Alle Maschinen in ihrem Betrieb sind bereits über 20 Jahre alt. Neue Maschinen sind nicht mehr erhältlich. Falls etwas kaputt geht, müssen sie die Geräte selbst reparieren. Ersatzteile sind ebenso schwierig zu finden.

Die Arbeit in einem Fotolabor ist spannend. Man sieht die verschiedensten Bilder, von professionellen Fotografen, dem offiziellen Fotografen der Schweizer Nationalmannschaft oder auch von der Polizei. Langweilig wird einem hier nicht.

Inspiration

Loading gallery...

Ergebnisse

Loading gallery...

Loading gallery...

(pru)

PencilPencil